In Bretten kommt der Nikolaus aus einem Pfadfinderstamm (2024)

Artikel der BNN vom 09.12.2024

In Viererteams besuchen die Brettener Pfadfinder Familien. Mit den Spenden geht es auf große Reisen

Es klopft an der Tür. Davor steht der Nikolaus. Bei ihm ein Engel in weiß glitzerndem Kleid und Knecht Ruprecht, der einen Sack voller Geschenke trägt. Der kleine Louis öffnet vorsichtig die Tür. Als er das Trio sieht, fangen seinen Augen an zu strahlen.

Am Nikolaustag und dem ganzen vergangenen Wochenende war der Nikolausdienst der Brettener Pfadfinder im Einsatz. In Teams ziehen sie zu Familien, Kindergärten und Schulen. Dort liest der verkleidete Nikolaus aus einem großen goldenen Buch vor, die Kinder singen Lieder oder tragen Gedichte vor und es gibt Geschenke.

Pfadfinder aus Bretten machen Nikolausdienst

Erik Böttcher ist hauptsächlich für die Organisation verantwortlich. „Seit 2011 machen wir das jedes Jahr“, erzählt er. Die Idee dazu hat er aus seiner Heimat: „Ich komme aus Bayern, da ist das normal.“ Von Gondelsheim und Linzingen, bis nach Karlsdorf sind die Pfadfinder unterwegs. Deshalb müsse man die Routen gut planen. Böttcher gibt lachend zu: „Da wird der Nikolaus auch mal von GoogleMaps unterstützt.“ Zum Team gehören auch Lisa und Tobias. Beide sind sechzehn und aktive Pfandfinder. „Ich war tatsächlich beim Ferienprogramm von der Stadt. Seit dem bin ich dabeigeblieben“, erzählt Lisa und ergänzt, „jetzt seit sieben Jahren.“

Pfadfinder mögen Zeltlager

An ihrem Hobby schätze sie besonders die Fahrten und Zeltlager: „Wir erleben viel mehr als andere in unserem Alter.“ Auf die Frage, welches die beste Reise war, antwortet sie sofort: „Schweden 2022, weil es meine erste Fahrt war.“ An die Reise kann sich auch Timo Pedrosa, Vorstand des Brettener Pfadfinderstammes, gut erinnern: „Wir waren fünf Tage in Lappland wandern.“ 

„Es hat die ganze Zeit geregnet und es war kalt“, sagt Lisa. Pedrosa erzählt lachen: „Und es war so windig, dass die Suppe vom Löffel geflogen ist. Aber die Aussicht, die war immer gut.“ „Es war traumhaft. Einfach wie im Bilderbuch“, stimmt Lisa zu. Die Pfadfinder würden aber nicht nur Touren zu Fuß, mit dem Rad oder im Kanu machen. „Wir haben auch schon viele Städte angeschaut“, erzählt der Vorstand, „Dieses Jahr waren wir in der Slowakei wandern und in Budapest.“

Spenden der Nikolaus-Aktion sind für Familien mit Bedarf

Die Fahrten würden allerdings für manche Familien eine finanzielle Herausforderung darstellen. „Aber bei uns gilt der Grundsatz: Jeder, der möchte, ist dabei“, sagt Böttcher. Deshalb würden sie die Spenden für den Nikolausdienst nutzen, um diese Familien zu unterstützen. Wohin die nächste Reise geht, ist aber noch geheim.

Jetzt geht es erst einmal zu den Familien. Lisa zieht ein Engelskleid über und setzt einen Heiligenschein auf. Tobias verwandelt sich in Knecht Ruprecht und mit langen weißen Bart und Bischofsstab ist Böttcher nicht mehr wiederzuerkennen. „Dem Nikolaus ist immer zu warm“, scherzt er. Pedrosa fährt sie und hat schnell noch Schokoriegel und Landjäger eingepackt.

Familien freuen sich über Nikolaus

Erste Station: Die Familie von Louis. Vor der Tür haben seine Eltern schon Geschenk deponiert. Schnell verstaut Tobias sie in seinem großen Sack. Dann kann es losgehen.„Bist du aufgeregt?“, fragt der Nikolaus, nachdem alle im Wohnzimmer sind. „Ja!“, ruft der Fünfjährige. „Woran erkennt man denn den Nikolaus?“, will der Bischof wissen. Louis zeigt auf seine Mütze und sagt: „An dem Helm.“ Dann singt er das Adventslied „Lass uns froh und munter sein“ und nicht nur seine Eltern, sondern auch der Nikolaus klatscht begeistert. Als Belohnung überreichen seine Helfer die Geschenke und Louis freut sich riesig. „Einfach wunderschön“, meint seine Mutter Nicole Butschek. Sie erzählt: „Wir machen das schon seit drei Jahren und es ist jedes Mal ein Erlebnis.“

Der Pfadifnder-Nikolaus in der Grundschule Rinklingen

Nikolaustag ist eng getaktet

Schon sind die Pfadfinder auf dem Weg zum nächsten Besuch. Denn der Tag ist eng getaktet. „Irgendwann ist man ein eingespieltes Team und jeder weiß, was als Nächstes passiert“, meint Lisa.

In bunten Weihnachtspullovern warten Aaron, Quinn, Romeo und Leela schon ganz gespannt. Dann kommt der Nikolaus endlich und liest aus seinem goldenen Buch vor. Was die Stärken der Kinder sind, aber auch wo sie sich noch verbessern können. „Das nehmen sie sich sehr zu Herzen“, sagt Sarah Gremelmaier. Der neunjährige Aaron hat noch eine Frage an den Nikolaus: „Wie alt bist du?“ Und dieser antwortet: „Manche sagen, dass ich schon über 1.000 Jahre alt bin. Manche finden, dass ich jung aussehe. Aber mein wahres Alter sage ich nicht.“ Aarons Mutter meint lächelnd: „Mein großer Sohn hinterfragt schon Vieles, aber der Zauber wirkt noch immer.“